Die Situation der Berliner Hotels und Pensionen wird immer schwieriger
17. September 2009
Seit 1999 hat sich die Zahl der Hotelbetten in Berlin von 54.000 auf 108000 glatt verdoppelt. Zwar ist natürlich auch die Zahl der Touristen gestiegen, die jedes Jahr in Berlin absteigen, aber halt nicht um 100%. Hinzu kommt in diesem Jahr die Wirtschaftskrise, die speziell in den Luxushotels, die Zahl der Übernachtungen von Geschäftsreisenden um ca. 20% einbrechen hat lassen und so stehen nun eine große Zahl an Zimmern leer. Lt. offiziellen Statistiken lag die durchschnittliche Auslastung der Berliner Hotels und Pensionen im ersten Halbjahr bei gerade einmal knapp 47%. Nun ist das erste Halbjahr das schwächere, aber trotz alledem ist dieser Wert absolut nicht befriedigend und schon gar nicht gewinnbringend.
Die großen Hotels und Ketten haben nun an der Preisschraube gedreht und überschwemmen die Markt teilweise mit Dumpingpreisen. Wer, laut einem Bericht der Berliner Morgenpost vom 13. September 2009, im Fünf-Sterne-Hotel „Palace“ am 7.11.2009 absteigt bezahlt für das Doppelzimmer nur 99 Euro. Das auch noch inkl. Frühstück, welches bei zwei Personen normalerweise mit 58 Euro zu Buche schlägt. Bleibt also, nach Abzug des Frühstücks, rein rechnerisch ein Zimmerpreis von 41 Euro. Das sind schon fast Jugendherbergspreise. Ähnlich sieht es auch in anderen Hotels aus.
Mir verschlägt es da fast die Sprache. Die Vernunft scheint beendet, das Hirn ausgeschaltet. Die Betten belegen, egal wie viel es kostet.
Ein Ende ist nicht abzusehen, da zu allem Überfluss auch immer neue Hotels in Berlin auf den Markt kommen und eröffnet werden. Die Zahl der Betten wird sich in den nächsten zwei Jahren um weitere 12.000 auf ca. 120.000 erhöhen. Um mit dieser Bettenzahl wirtschaftlich arbeiten zu können müssten zusätzlich 2,1 Mio. Übernachtungen pro Jahr generiert werden. Wo die herkommen soll weiß kein Mensch.
Für die Finanzinvestoren scheint sich das „Spiel“ aber immer noch zu rechnen. Ich bin zwar kein Finanzexperte, vermute aber, dass das „Spiel“ ungefähr so abläuft: Finanzinvestor baut ein Hotel, dafür wird z. B. ein Immobilienfond aufgelegt und Geld bei Anlegern eingesammelt. Das Hotel wird an einen Betreiber (Hotelkonzern) vermietet/verpachtet/per Managementvertrag weitergereicht. Der Hotelbetreiber hat im Zweifelsfalle Pech gehabt, wenn er das Hotel nicht wirtschaftlich betreiben kann. Die Anleger/Zeichner des Fonds haben im Zweifelsfalle Pech gehabt wenn der Fond keine Gewinne erwirtschaftet. Der lokale Markt hat auch Pech gehabt wenn aufgrund des Überangebotes die Preise in den Keller gehen und der Markt kaputt geht. Einzig der Finanzinvestor, der den Fond aufgelegt hat, hat kein Pech gehabt, denn er verdient immer sein Geld über Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren, etc..
Als Folge werden als erstes die Pensionen in den Kiezen und die kleinen Inhabergeführten Häuser aussterben, weil sie bei dem Preiskampf der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels von oben und dem Preisdruck von unten, der durch die Konkurrenz billiger Hostels entsteht, nicht mithalten können .



