Ein Fachmann über die Hotelerie
6. Februar 2011
In der Berliner Morgenpost vom 6. Februar findet sich ein interessantes Interview mit Horst Schulze, Mitbegründer der Ritz-Carlton Hotelkette. Wie ich finde sehr lesneswert und teilweise auch amüsant.
Angesprochen auf die Preisgestaltung in der Fünf-Sterne-Hotellerie antwortet er: “Die Preise senken kann jeder Dummkopf. Es ist ein Denkfehler zu glauben, im Luxussegment gewinnen Sie neue Kunden, weil Sie plötzlich 50 Euro billiger sind als die Konkurrenz. Unsere Zielgruppe sind die oberen zwei Prozent der Geschäfts- und Urlaubsreisenden. Für sie ist der Preis sekundär. Was zählt, ist die Qualität der Dienstleistung.”
Wunderbar! Ich würde manchem Hotelier, nicht nur im Fünf-Sterne-Bereich, und besonders denen in Berlin, die ihre Zimmer zeitweise für 28 Euro pro Nacht vermieten, raten und wünschen darüber einmal nachzudenken.
Auf die Frage, warum denn deutsche Luxushotels um die Hälfte billiger seien als die in London oder Paris war die Antwort von Horst Schulze: “Weil sie nicht mehr wert sind. Wenn Sie wirkliche Exzellenz bieten, zahlt der Gast auch Londoner Preise.”
Wunderbare Ansichten und Meinungen wie aus einer fernen Zeit, besonders wenn man weiter liest und dann weitere Aussagen von Herrn Schulze liest wie: “Die Perversion der heutigen Luxushotellerie liegt darin, dass Controller mit Blick auf die Kosten bestimmen, was dem Gast geboten wird….. Es ist eine Schande: Nicht der Gast treibt das Produkt, sondern ein Technokrat. Diese Fehlentwicklung wollen wir umkehren.” oder “Ein Manager ist ohnehin jemand, der in seinem Büro sitzt und versucht, Probleme zu lösen, von denen er nichts versteht. Ein Hotel können Sie nur mit Leadership führen.”
Ich kenne Horst Schulze natürlich nicht persönlich, aber seine Aussagen sind wunderbar. Leider werden (fast) alle Unternehmen (nicht nur Hotels) heute von Controllern und Managern gelenkt, deren einziges Bestreben es anscheinend ist das nächste Quartalsergebnis so gut wie möglich aussehen zu lassen und den Gewinn noch weiter zu maximieren, egal auf welche Kosten.
Das ganze Interview ist in der Berliner Morgenpost vom 6.2. nachzulesen.



