In Berlin bald kein Alkohol mehr im öffentlichen Raum??
5. Februar 2008Die Berliner CDU ist mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit getreten um dem “riesengroßen” Problem betrunkener Jugendlicher Herr zu werden. Um dieses Problem zu lösen fordert die CDU „ein generelles Alkoholverbot auf Straßen, Plätzen und im öffentlichen Nahverkehr“.
Von April 2007 bis heute wurde von der Polizei die “unglaubliche” Zahl von 700 betrunkenen Jugendlichen registriert. Wow….. in ca. 300 Tagen in einer Stadt mit 3,4 Mio. Einwohner 700 betrunkene Jugendliche. Das scheint ja ein riesiges Problem zu sein. 700 Räusche in 300 Tagen.
Ich bin fast geneigt zu sagen, 700 Räusche haben wir in Alter 15 bis 18 in unserer Schulklasse (übrigens eine reine Jungenklasse) mit ca. 30 Leuten an 300 Tage auch geschafft. Wir brauchten keine 3,4 Mio. Menschen um 700 betrunkene Jugendliche innerhalb von 300 Tagen zu produzieren.
Aber mal die Polemik bei Seite. Mir kommen da sofort ein paar praktische Fragen in den Sinn, auf die ich nur schwer Antworten finde:
Wer glaubt denn, das diese 700 Jugendlichen (gut es gibt natürlich noch eine riesige Dunkelziffer) sich nicht betrunken hätten, wenn es verboten gewesen wäre Alkohol in der Öffentlichkeit zu konsumieren? Was ist mit denen, die sich zu Hause, oder bei Freunden betrinken und dann volltrunken in die Öffentlichkeit gehen? Ist das dann auch verboten? Machen die sich strafbar? Und die Eltern?
Was ist mit meinem sommerlichen Picknick im Park? Darf ich dabei dann nur noch Wasser und Cola trinken?
Wer kontrolliert das Verbot? Die Polizei und die Ordnungsämter? Die sind schon jetzt chronisch unterbesetzt. Und welcher Beamte vom Ordnungsamt wird wohl nachts zw. 22 und 4 Uhr “Alkohol-Streife” laufen?
Wie soll das kontrolliert werden. Allein Berlins größter Park, der Tiergarten, ist größer als viele City-Bereiche Deutscher Großstädte und bietet hunderte ruhige, lauschige Ecken und Plätze. Stellen wir hinter jeden Strauch einen Spitzel? Naja…. das wäre zumindest eine gutes Programm zum Abbau der Arbeitslosigkeit.
Aber halt…. da könnte man ja auch mal Hr. Schäuble fragen. Der will doch sowieso für den Kampf gegen den Terrorismus überall Kameras aufstellen. Ein paar mehr Kameras (kann ja nicht schaden, oder?) und dann kann man auch gleich noch das Problem der betrunkenen jugendlichen beheben. Zu was solche Kameras doch alles gut sein können.
Ich weiß; jetzt bin ich doch wieder polemisch geworden, und polemisch fällt auch mein Fazit aus:
Bin ich froh, das ich mich in meiner Jugend wenigstens noch in Ruhe und unbeobachtet besaufen durfte.



