Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen
3. Dezember 2009Die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen…. Kommt sie, oder kommt sie nicht. Es gibt Widerstand dagegen. Wie ich meine zu Recht.
Ich als Betreiber der Pension Am Park müsste mich ja über dieses Steuergeschenk freuen, wie es, zumindest den Presseberichten nach, alle anderen meiner Kolleginnen, Kollegen und Verbände tun.
Nun mag ich ja ein Nestbeschmutzer oder Querulant sein, womit ich gut leben kann, aber ich habe mir dennoch erlaubt mir mal ein paar Gedanken über das Thema und die Begründungen für die Steuersenkung zu machen und diese hier nieder zu schreiben.
Klar ist das ich dieses Thema natürlich durch die berliner Brille betrachte und nicht durch die bayerische. Wie man inzwischen weiß geht diese Ermäßigung des Mehrwertsteuersatzes auf das Betreiben der CSU zurück, die ihren treuen Wählern ein Geschenk machen wollte. In Österreich ist der MWST-Satz auf Hotelübernachtungen niedriger als in Deutschland, weshalb die bayerischen Betreiber gegenüber den Österreichern im Nachteil sind. Ok, das leuchtet mir ja durchaus ein, auch wenn deshalb die Übernachtungspreise (meinem Empfinden nach) in Österreich nicht niedriger sind als in Bayern. Mit diesem Argument könnte man natürlich auch etliche andere Steuersätze senken, denn ich bin sicher in Österreich, oder anderen an Deutschland angrenzenden Ländern, gibt es noch ein paar Steuern und Abgaben die niedriger sind als bei uns.
Aus Berliner Sicht bringt diese Senkung meines Erachtens gar nichts, zumindest nicht für die Hoteliers. Der Berliner Markt leidet unter enormen Überkapazitäten und daraus resultierend einem extremen Preiskampf. Wenn ich sehe, dass es in Hotels der Kategorie zwei bis drei-Sterne die Doppelzimmer teilweise schon ab 29 Euro pro Nacht und in Fünf-Sterne-Häusern zeitweise schon ab 99 Euro (teilweise sogar inkl. Frühstück) gibt, kann ich mir ausrechnen, wie groß die Not sein muss. Welcher Hotelier also im Ernst glaubt, das in so einem Markt auch nur ein Cent der Steuersenkung in seiner Tasche landet, glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Die Folge der Steuersenkung wird sein, dass es die Doppelzimmer dann statt ab 29, ab 25, bzw. statt für 99 zu 89 Euro geben wird.
Sehr originell finde ich die Argumente einiger Hoteliers und Verbände, die verlautbaren, dass sie die Mehreinnahmen für fällige Renovierungen und Ausbaumaßnahmen verwenden wollen. Das heißt ja im Umkehrschluss, dass solche Maßnahmen bisher unterblieben sind. Die Damen und Herren Kollegen haben also den Preiskampf so weit getrieben, dass kein Geld mehr für Renovierung und Verbesserungen da war. Wenn dem so ist, wäre das extrem kurzfristig gedacht und nicht sonderlich schlau.
Das allerdümmste Argument aber (meine Kollegen mögen mir das verzeihen) ist, dass dieses Geld für mehr Personal aufgewendet wird. Also bitte……, wer soll das den glauben? Dieses Märchen von wegen „höherer Gewinn bedeutet mehr Arbeitsplätze“ glaubt doch im Ernst kein Mensch mehr. Angeblich bis zu 70.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, wenn der Mehrwertsteuersatz auf Übernachtungen gesenkt wird. Für wie blöd halten die, die das erzählen mich eigentlich?
Arbeitsplätze werden geschaffen wenn man Personal benötigt, nicht wenn man mehr Geld verdient. Der Hotelmarkt in Berlin (in den bayerischen Skiorten mag das anders sein) ist dominiert von großen internationalen Hotelketten und Konzernen. Wie inzwischen jeder wissen sollte zählen für große, international operierende Konzerne nur Shareholder Value und Steigerung der Rendite. Keiner schafft in großen Konzernen Arbeitsplätze nur weil mehr Umsatz/Gewinn gemacht wird. Ganz im Gegenteil. Wie oft haben wir es erlebt, dass Konzerne Rekordgewinne machen und trotzdem Arbeitsplätze abbauen.
Bei kleinen, Familien geführten Unternehmen ist das wahrscheinlich noch anders. Da heißt es vielleicht: Bevor ich Unsummen an Einkommensteuer zahle, stelle ich jemanden ein der mich entlastet und arbeite selber etwas weniger.
Den Hoteliers in Berlin kann ich nur raten: Kalkuliert vernünftig, unterbietet Euch nicht gegenseitig mit Dumpingangeboten, dann bleibt auch genug hängen und Ihr müsst nicht auf eine Senkung der Mehrwertsteuer warten um investieren zu können und Personal einzustellen. Aber klar: Der nächste Quartalsbericht (oder sogar schon Monatsbericht an die Zentrale) ist im Zweifel wichtiger als die langfristige Perspektive.



