Übernachten in Berlin so günstig wie (fast) nirgendwo in Europa
3. August 2011Im letzten Monat gab es mehrere Berichte und Artikel in verschiedenen Zeitungen und Nachrichtenportalen über die Hotel- und Urlaubspreise in Berlin und anderen Metropolen.
Der Tenor ist immer gleich: Kaum irgendwo ist Urlaub so günstig wie in Berlin.
Das Bewertungsportal Tripadvisor verglichen die Preise für ein Paket, bestehend aus einer Hotelübernachtung in einem Vier Sterne Hotel, einer Taxifahrt von acht Kilometern, ein Drink an der Hotelbar und einer Pizza außerhalb des Hotels. Demnach müssen Reisende in Berlin für dieses Paket im Schnitt 115 Euro bezahlen. In Hamburg werden dafür 145, in Heidelberg sogar 191 Euro fällig. International bezahlt man in London 263, in Zürich 267 und in Prag 124 Euro. Als einzige europäische Metropole war Budapest mit nur 101 Euro noch günstiger als Berlin.
Der Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Thomas Lengfelder, bestätigte ähnliche Ergebnisse in diesen Tagen. Laut seiner Aussage werden in Berlin für eine Übernachtung ohne Mehrwertsteuer und Frühstück im Schnitt 90 Euro fällig “So günstig ist in London, Paris oder New York gar nichts zu bekommen.”
Grund für diese niedrigen Preise ist ein, in den letzten Jahren entstandenes, Überangebot von Zimmern. Über 100.000 Betten in rund 650 Hotels und Pensionen gibt es inzwischen in der Stadt. Allein im Fünf-Sterne-Bereich gibt es mittlerweile 23 Hotels, die im Schnitt 140 Euro für eine Übernachtung berechnen. Die Gewinnmargen sind inzwischen sehr gering, wie Herr Lengfelder weiter ausführt. Insolvenzen drohten aber nicht.
Klar nicht. Ein globaler Konzern geht nicht pleite nur weil ein paar Häuser in Berlin schlecht laufen. Pleite gehen nur die kleinen, Inhaber- und Familien geführten Häuser. Die sind darauf angewiesen ihr Geld mit ihrem Hotel oder Pension in Berlin zu verdienen und können nicht die schlechten Ergebnisse in Berlin mit Gewinnen in London und Paris ausgleichen. Aber das ist ja egal.
Vor einem Überangebot an Hotelzimmern hatte auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte schon gewarnt. Für die nächsten Jahre sind ca. 50 neue Hotels geplant oder schon im Bau. Bis 2013 rechnet auch die Dehoga mit ca. 7.500 neuen Hotelzimmern. Die Buchungslage sei aber gut und lag im vergangenen Jahr in allen Hotels bei über 50% .
Ok…. über 50%! Ist das nun gut? Das können nun 50,1, oder 99,9% sein. Nach meiner Erinnerung lag die Durchschnittliche Auslastung lt. Angaben von Visit Berlin bei ca. 55%, und das kann man nun wahrlich nicht als GUT bezeichnen. Das ist, noch dazu bei den aktuellen Preisen, schon eher nahe der Rentabilitätsgrenze.
Visit Berlin wirbt auch weltweit kräftig damit, wie billig (oh Verzeihung, das heißt ja günstig,. Das Wort „billig“ würde ja nie ein Werbefachmann benutzen) denn der Urlaub hier ist. Zu manchen Nebensaisonzeiten bekommt man das Doppelzimmer schon für 28,– Euro pro Nacht.
Die Herren Top-Manager in Hotellerie und Tourismus sollten gut aufpassen, dass wir hier nicht im Laufe der Zeit ein Imageproblem bekommen. Mit billigen Preisen und Werbung nach dem Motto „günstig, günstig, günstig“, zieht man evtl. auch Publikum an, das man vielleicht dauerhaft nicht möchte. Man sollte sich ein warnendes Beispiel an Mallorca nehmen. Das war lange Zeit als Sauf- und Purtzfraueninsel verrufen, weil man auch fast ausschließlich über den Preis verkauft hat. Es hat viel Geld und Anstrengung gekostet (und kostet es wohl immer noch) von diesem Image wieder wegzukommen



